Lese-Aufführung von Arnold Dreyblatt im Schloss Leuk

Nach verschiedenen Werkinstallationen von international bekannten Kunstschaffenden wie Richard Jackson, Günter Ücker, Richard Long lädt das Schloss Leuk 2018 den Medienkünstler Arnold Dreyblatt 2018 nach Leuk ein.
Arnold Dreyblatt arbeitet mit gefundenen und kopierten historischen Dokumenten, welche Fragen zu der staatlichen Datenerhebungen in einem massiven Ausmaß zu bestimmten gesellschaftlichen Ereignissen und Bevölkerungsgruppen stellen. Es können alltägliche gesellschaftsgeschichtliche und kulturelle Praxen befragt werden, aber auch Zeugnisse und Dokumente aus Zeiten von Krieg, Verfolgung, Genozid, Massenmord. Dreyblatt digitalisiert oder fotokopiert diese Dokumente und bringt sie am Ausstellungsort in eine entsprechende Ausstellungsform, die oft archivarische Dispositive zum Thema macht (Vitrinen, Regale, Kartonschachteln, digitale Archivelemente wie Datenbanken, Apps). Dreyblatts visuelle Kunstwerke schaffen komplexe Text- und Raumvisualisierungen für den Themenbereich soziales und individuelles Gedächtnis. Diese Projekte, die sich mit Erscheinungen wie Erinnerung und Archiv befassen, beinhalten permanente Installationen, digitale Raumprojektionen, aber auch Lesungen und Audio-Vorführungen.
Seine künstlerische Praxis der letzten 20 Jahre reicht von groß angelegten mehrtägigen Performances ("The Memory Projects", 1995-2001) bis hin zu Installationen mit historischen Themen und Materialien wie "From the Archives", 1999; "The Wunderblock", 2000; Turntable History ", 2009 und Lentikularwandarbeiten wie" Ephemeris Epigraphica ", 2006 und" Writing Cage ", 2012. Er betreibt interaktive künstlerische Forschungsprojekte zu kulturgeschicht-lichen Themen und Archiven wie das "Performing the Black Mountain Archive ", das 2015 am Hamburger Bahnhof / Museum für Gegenwartskunst gezeigt wurde. Gleichzeitig hat er seine einzigartige Arbeit in Komposition und Musikperformance weiterentwickelt.

Für das Schloss Leuk plant Arnold Dreyblatt eine Arbeit mit lokalen historischen Archiven und Objekt-Sammlungen aus dem Ort. Seine künstlerische Arbeit befasst sich mit der sozialen Praxis des Archivs und den damit verbundenen technischen Dispositiven im Raum (Bestände, Formulare) und in der Informatik (digitale Datenbanken, Suchmittel). Er wird historische Dokumente aus,Politik und Kirche (gesellschaftliche Struktur von oben) und aus dem Alltag der Bevölkerung (Privatarchive, Privatsammlungen, Briefe) einander gegenüberstellen.

In der Eingangshalle wird am 20. Oktober 2018 (17 Uhr) eine Lese-Performance nach einer Dramaturgie des Künstlers stattfinden. 10 Leserinnen und Leser aus Leuk und Umgebung führen eine Textchoreographie im Raum auf, die von Arnold Dreyblatt aus Leukner Archivmaterial komponiert und mit den Leuten vor Ort einstudiert wurde. An 10 Tischen werden die Lesenden Dokumente aus der Lokalgeschichte vorlesen und so Einblick ins Mikroklima des Städtchens geben. Unten im Kellergeschoss des Schlosses (Räuberhöhle) wird eine virtuelle Schatzkammer aus lokalen historischen Objekten aus dem Besitz von Pro Leuka eingerichtet, die allein als Datenkarte mit Stimme und Text erscheinen. Im Zentrum des Raumes wird eine Inventarkarte aus dem Fundus von Pro Leuka projiziert, die jene Begriffe und Ordnungskriterien enthält, mit welchen Museumsarbeiter und Archive Dokumente und Objekte der Nachwelt erhalten.

Das Projekt Arnold Dreyblatts wird vor Ort betreut von Carlo Schmidt, Künstler und künstlerischer Leiter Schloss Leuk. Die Kunsthistorikerin Sibylle Omlin hilft bei der kuratorischen Vorbereitung und Vermittlung des Projekts mit.

Für die Installation von Arnold Dreyblatt im Schloss Leuk im Oktober 2018 sind beteiligt:

-        2 Radiosprecher für die Objektkarten-Installation im Keller des Schlosses

-        10 Leserinnen und Leser, die während einer 1 stündigen Aufführung nach einem Skript von Arnold Dreyblatt in einer Gruppe vorlesen. 5 Assistenten begleiten die Lesenden. Einige Lesende haben im Vorfeld der Lifeperformance im September ihre Stimmen für ein Hörstück im Studio von rro eingelesen. Das Hörstück der Leseperformance ist im Schloss Leuk bis am 28.Oktober zu sehen/zu hören.

Arnold Dreyblatt: Gedächtnispalast Leuk. Ein lebendiges Archiv